
Konzept der berufsbegleitenden Fortbildung Anthroposophisches Grundlagenjahr
Mitwirkende: Andreas Konert (Netzwerkkoordinator) / Albrecht Lüder / Jörg Naviliat / Maria Neumair / Elke Stanglow-Jorberg / Senta Stein / Sonja Zausch
(Mitglieder des Netzwerks Fort und Weiterbildung des Verbands für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und soziale Arbeit e.V.)
Inhalt:
1. Vorwort
2. Leitmotive
3. Ziele
4. Zielgruppe
5. Methoden
6. Projektarbeit und Kursbegleitung
7. Modulstruktur und Inhalte
8. Ausblick
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1. Vorwort
Das "Anthroposophische Grundlagenjahr ist ein Angebot, welches von einer Initiativgruppe des Netzwerks Fort- und Weiterbildung entwickelt wurde. Das Netzwerk Fort- und Weiterbildung ist der freie Zusammenschluss von Anbietern von Fort- und Weiterbildungen im Verband für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und soziale Arbeit.
Dieses Konzept einer umfassenden Einführung in die Zusammenhänge anthroposophischer sozialer Arbeit ist transportabel. Es ist nicht an eine Ausbildungsstätte gebunden, sondern kann der Gestalt nach von beliebigen Trägern durchgeführt werden. Dabei werden die örtlichen Gegebenheiten entsprechend berücksichtigt.
Es besteht der Wunsch, dass die hier beschriebenen Standards von anderen möglichen Anbietern bei der Durchführung weiterer Seminare an anderen Orten berücksichtigt werden, wobei eine Anpassung (bei Wahrung der beschriebenen Qualitätsstandards) an die jeweiligen Bedürfnisse der Teilnehmerinnen / Teilnehmer und Begebenheiten der Region möglich ist. Auch der Einsatz von anderen kompetenten DozentInnen und Begleitern ist ausdrücklich erwünscht.
Mit den folgenden Darstellungen sollen sowohl die äußeren Rahmenbedingungen, als auch der inhaltliche und qualitative Anspruch beschrieben werden. Ziel ist es, dieses Konzept vom Verband anerkennen zu lassen, so dass bei erfolgreichem Abschluss den Teilnehmern und Teilnehmerinnen ein entsprechendes Zertifikat ausgehändigt werden kann.
Der erste Kurs wird im März 2009 am Kaspar Hauser Forum in Berlin beginnen.
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2. Leitmotive
Erfolgreiche Berufstätigkeit in der anthroposophischen sozialen Arbeit gründet auf Selbsterkenntnis, Selbsterziehung und fachlicher Kompetenz.
Anthroposophische Erwachsenenbildung wendet sich an Menschen, welche die Gesetzmäßigkeiten von Entwicklung verstehen, erleben und handhaben lernen wollen. Im Zentrum steht die persönliche und berufliche Weiterentwicklung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Erkenntnisbildung und Praxisertüchtigung werden durch die integrierte künstlerische Arbeit in erweiterten Zusammenhang gebracht
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3. Ziele
Den Teilnehmern wird die Möglichkeit gegeben, ihr jeweiliges Arbeitsfeld aus Sicht der Anthroposophie heraus zu verstehen und dieses zu bereichern.
Mit dem sich entwickelnden Interesse an anthroposophischen Inhalten kann eine persönliche Entfaltung im Sinne einer Neuorientierung einhergehen.
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4. Zielgruppe
Menschen, die generell an Anthroposophie interessiert sind, können sich von diesem Angebot angesprochen fühlen. Ebenso auch Personen, die in den Praxisfeldern der anthroposophischen Heilpädagogik, Sozialtherapie und sozialen Arbeit tätig sind oder werden wollen und sich dafür eine umfassende Grundlage erarbeiten wollen.
Das Anthroposophische Grundlagenjahr ist ein einführendes Angebot und erfordert keine besonderen Vorkenntnisse.
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5. Triale Methode
Die "Triale Methode" ermöglicht durch die Verbindung von Wissenschaft, Kunst und Sozialer Praxis ein ganzheitliches Lernen.
In sozialen Berufen werden die Anforderungen häufig unmittelbar aus der Praxis bestimmt. Die eigenen Erfahrungen aus dem Berufsalltag sind der Ausgangspunkt der Weiterarbeit. Diese müssen reflektiert, aus fachlicher Kenntnis beleuchtet und mit den daraus entwickelten Erkenntnissen kreativ weiter ausgebildet werden.
Das alles fordert ein hohes Maß an Flexibilität, Kreativität, Improvisationsvermögen und Wahrnehmungsfähigkeit, die durch die Beschäftigung mit den Künsten besonders geschult werden.
Die Erfahrungen und Bedürfnisse aus der Praxis bilden somit den Schwerpunkt des Kurses. Diese werden reflektiert, hinterfragt und durch menschenkundliche Betrachtungen ergänzt und erweitert.
Die sich dadurch ergebende Auseinandersetzung mit der eigenen Person, anthroposophisch orientierten Fragestellungen, Auffassungen und Haltungen und die Zusammenarbeit mit den Kurskollegen erweitern das eigene Handlungsrepertoire.
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6. Projektarbeit und Kursbegleitung
Die Projektarbeit soll den persönlichen und beruflichen Entwicklungsprozess der Teilnehmerinnen und Teilnehmer fördern und die neu hinzugewonnenen Fähig- und Fertigkeiten "im Leben fruchtbar werden lassen.
Dieser Prozess soll in einer schriftlichen Arbeit dokumentiert und in einer Präsentation mit anschließendem kollegialem Austausch im letzten Modul dargestellt werden. Die Unterstützung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei diesem Prozess ist eine wesentliche Aufgabe der Kursbegleiterin oder des Kursbegleiters. Der Austausch darüber findet zu Beginn und am Ende eines jeden Moduls im Plenum statt. Außerdem sind projektbezogene Entwicklungsgespräche mit den einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorgesehen.
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7. Modulstruktur und Inhalte
Das Anthroposophische Grundlagenjahr ist in sieben aufeinander folgende Module gegliedert, die jeweils von einem Team aus Kursbegleiter, Dozent und Künstler begleitet werden.
Modul 1
Thematische Einführung und gemeinsame Entwicklung von Arbeitsformen
Das Modul 1 dient den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum persönlichen und fachlichen Einstieg in die berufsbegleitende Fortbildung. Neben dem Prozess der Gruppenbildung werden Methoden der (trialen) Erwachsenenbildung angewandt und erste anthroposophische Inhalte vermittelt bzw. gemeinsam erarbeitet.
Modul 2
Menschenkundliche Grundlagen
Rudolf Steiner lehrte einerseits das Wesen des Menschen durch Denken, Fühlen und Wollen zu betrachten, andererseits die Viergliedrigkeit des Menschen nach physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Weiterführend kommt der Gedanke der Reinkarnation und der karmischen Zusammenhänge des Individuums und der Gemeinschaft hinzu. Ein daraus entwickelbarer Zusammenhang, der auf eine noch andere Art die Persönlichkeit stark charakterisiert, sind die vier Temperamente: Sanguiniker, Phlegmatiker, Melancholiker und Choleriker. Diese werden in schauspielerischen und musikalischen Übungen und Rollenspielen für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer charakteristisch erfahrbar.
Modul 3
Sinneslehre als Entwicklungslehre
Die Sinne sind unsere Tore zur Welt und die der Welt zu uns. Beides brauchen wir, um uns inkarnieren und entwickeln zu können. Im
Zentrum der gemeinsamen Untersuchung werden die Körpersinne und die
kommunikativen Sinne stehen.
Modul 4
Entwicklungsrhythmen und Biografiearbeit
Biografiearbeit lässt individuelle Lebenssignaturen auf dem Hintergrund von allgemein gültigen Entwicklungsrhythmen verstehbar werden.
Modul 5
Anthroposophische Medizin und Therapie
Die Anthroposophische Medizin sieht sich nicht als "Alternativmedizin", sondern im Kontext zur sog. "Schulmedizin", diese erweiternd um den geistigen Aspekt des Menschen.
Die Medizin richtet sich am individuellen Wesen des Menschen und seinen leiblichen, seelischen und geistigen Bedürfnissen aus. Im Kurs gilt es, ausgehend von einer differenzierten Beschreibung des Wesensgliedergefüges des Menschen Rudolf Steiners Krankheitsbegriff als Ausdruck eines verlorenen Gleichgewichts zu beschreiben, um darauf aufbauend heilende Strukturen und Bedingungen zu entwickeln, die in Formen von Substanzen, künstlerischen Therapien, äußeren Anwendungen verwandt werden, getragen von einer achtungsvollen Haltung.
An einzelnen Krankheitsbildern und Krankengeschichten soll der medizinische Aspekt bildhaft konkret werden.
Modul 6
Heilpädagogik und Sozialtherapie
Das Modul umfasst das Kennen lernen heilpädagogischer Krankheitsbilder und ihrer therapeutischen Aspekte, das Erarbeiten des von Rudolf Steiner im Heilpädagogischen Kurs genannten pädagogischen Gesetzes, sowie den Kontakt zu Tätigkeitsfeldern der Heilpädagogik und Sozialtherapie, unterstützt durch die Tagesexkursion.
Ein anthroposophische geschulter Heiltherapeut lebt mit dem Bewusstsein eines geistigen Wesenskerns im seelenpflegebedürftigen Menschen, der sich im Laufe des Lebens entwickelt und verändert, und Fähigkeiten und Interessen deutlich werden lässt, die im Arbeitsbereich und im Sozialen wirksam werden können.
Tagesexkursion in Praxisfelder
Durch die Tagesexkursion soll der kollegiale Austausch vor Ort angeregt, für die Vielfältigkeit der individuellen Gestaltungsmöglichkeiten anderer Praxisorte sensibilisiert und die Theorie in der Praxis vertieft werden.
Modul 7
Präsentation der Projektarbeiten
Siehe Punkt 6
Die gesamte Fortbildung umfasst ca. 165 Unterrichtseinheiten.
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8. Ausblick
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt befinden sich zwei parallele Vertiefungsjahre Heilpädagogik und Psychiatrie in Planung, auch weitere Themen können aufgegriffen werden.
Stand 3. Februar 2009